Montag, 29. April 2013

Zu den Waffen

"Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird,
aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen."
(Albert Einstein)

Deutscher Panzer im Ersten Weltkrieg
Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:SO2.png (gemeinfrei)

Deutsche Waffen für "stabile und verlässliche Partner"

Über 60 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2, so konnte man die Tage im Handelsblatt lesen, liefert das Familienunternehmen Krauss-Maffei-Wegmann an das Emirat Katar. Kosten: 1,9 Milliarden Euro. Profitieren wird auch der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall, welcher die Kanonen für die Panzer fertigt. Für den deutschen Waffenhersteller ist das Panzergeschäft mit Katar ein "Türöffner zur arabischen Halbinsel" (Handelsblatt v. 20.04.2103). Das Emirat fühlt sich vom Iran bedroht und will sein 11.000 Mann umfassendes Heer modernisieren.

Wer oder was ist Katar?

Wikipedia kann man zu Katar auf die Schnelle entnehmen:
  • "Das Recht auf freie Meinungsäußerung in Katar ist eingeschränkt. 
  • Mehrere Ausländer wurden wegen Blasphemie zu Haftstrafen von bis zu sieben Jahren verurteilt.
  • Frauen werden im Alltag weiterhin benachteiligt, sie erhalten nicht genügend Schutz bei häuslicher Gewalt und Scheidungen sind erschwert.
  • Homosexualität ist in Katar verboten und wird mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft."
Da kommt ja Freude auf! Warum liefert mein Land solchen Staaten Waffen? Sind wir nach zwei Weltkriegen mit Millionen Toten nicht vermehrt pazifistisch unterwegs?

Und dann liest man: Deutschland liefert Waffen auch an andere Länder der Region oder plant dies:
  • Bereits kurz vor Weihnachten hat die Regierung Merkel den Verkauf von zwölf Eurofightern von EADS Cassidian an das Sultanat Oman abgesegnet.
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate interessieren sich für Tranportpanzer.
  • Saudi Arabien möchte nach unbestätigten Berichten neben deutschen Patrouillenbooten gar mindestens 200 deutsche Kampfpanzer haben.
Wem liefern wir da eigentlich Waffen? Saudi-Arabien gar? Folgt man Bundesaußenminister Westerwelle, ist "die Zusammenarbeit mit Partnern wie [...] Saudi-Arabien [...] Teil einer Strategie." [Quelle]


Alptraumstaat Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien herrscht - statistisch gesehen - relativer materieller Wohlstand. Und doch gleicht das Land, vom Standpunkt einer freiheitlichen Gesellschaft aus betrachtet, einem Alptraum-Land, wie es George Orwell nicht schlimmer hätte erdenken können.

Fangen wir ganz oben an:

Der saudische König ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef. Wir verkneifen uns an dieser Stelle einen vorschnellen Hitler-Vergleich.
Den Gesetzen, die der König selbst erlässt, untersteht er selber nicht. Er besitzt absolute Vollmacht über Polizei, Geheimdienst und Militär. Artikel 55 der Grundordnung räumt ihm als "Führer und Überwacher der Politik der Nation" unbegrenzte innenpolitische Macht ein.

15 der 19 Attentäter des 11. September 2001 stammten aus Saudi-Arabien. Aus einer Studie des US-Außenministeriums, die bei Wikileaks veröffentlicht wurde, geht hervor: Aus keinem Land erhalten Terrororganisationen wie Al-Kaida so viel Geld wie aus Saudi-Arabien.

Saudi-Arabien ist ein Land mit einer Staatsreligion. 73 Prozent der Bevölkerung gehören dem salafistischen Islam (Wahabismus) an. Sunniten stellen 12 Prozent der Bevölkerung, Schiiten ca. 10 Prozent. Rechtsgrundlage ist die Scharia: Diebstahl kann mit Zwangsamputation einer Hand oder mit dem Tode bestraft werden.

Weitere Highlights:
  • Parteien sind verboten
  • Opposition, Streiks und Gewerkschaften sind verboten
  • Gewaltloser politische Oppositionelle werden inhaftiert
  • Unterdrückung der Meinungs- und Religionsfreiheit: Das Praktizieren anderer Religionen als des salafitischen Islam ist in Saudi-Arabien verboten; Schiiten sind werden nicht als Muslime anerkannt
  • Kirchen, Synagogen oder andere nichtislamische Gebetshäuser existieren nicht
  • Gottesdienste oder Taufen, sogar Krankensalbungen sind verboten; bei Missachtung drohen Verhaftung, Auspeitschung und Folter
  • Verhängung von Prügelstrafe (meistens Auspeitschungen)
  • Inhaftierungen ohne Anklage und Gerichtsverfahren
  • Keine saudi-arabische Frau darf das Land ohne Genehmigung durch einen männlichen Vormund verlassen
  • Im Land dürfen Frauen kein Auto fahren; in der Öffentlichkeit müssen sie bodenlange Gewänder und schwarze Kopftücher tragen
  • Mit Israel befindet sich Saudi-Arabien seit 1948 offiziell im Kriegszustand
  • Auf ein Abfallen vom Islam steht die Todesstrafe, die auch vollstreckt wird

Die Todesstrafe wird auch auf Minderjährige angewandt und kann auch für folgende Vergehen verhängt werden: Hexerei [sic!], Ehebruch, Homosexualität, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Prostitution, "sexuelle Belästigung" von Frauen (der Tatbestand ist unscharf definiert), Drogenhandel, Raubüberfall, Alkoholhandel.

Das Königreich mit seiner absolutistischen Monarchie wird dennoch immer wieder als "starker und verlässlicher Partner" bezeichnet. Stark wohl aufgrund der massiven Aufrüstung. Verlässlich, weil es dort seit Ewigkeiten keinerlei Regierungswechsel gab. Wie auch, bei diesen Verhältnissen?

Das Land unterstützt auch die autoritären Herrscher der Nachbarstaaten - übersetzt in die Sprache deutscher Politiker klingt das dann so: "Saudi-Arabien stabilisiert die Region."




Weblinks:

Umstrittener Rüstungsdeal: Berlin genehmigt Verkauf von 164 Panzern nach Indonesien
http://www.spiegel.de/politik/ausland/leopard-2-regierung-genehmigt-verkauf-von-panzern-nach-indonesien-a-898650.html

Saudi-Arabien: Nirgendwo prallen Mittelalter und Neuzeit so gefährlich aufeinander wie in dem ölreichen Wüstenstaat
http://www.spiegel.de/spiegelspecial/a-260329.html

Regierung will Hubschrauber nach Pakistan liefern
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesregierung-will-pakistan-bundeswehr-hubschrauber-liefern-a-896984.html

Frauenrechte in Saudi-Arabien: "Nicht alles kann verhüllt werden"
http://www.spiegel.de/politik/ausland/frauen-saudi-arabien-startet-kampagne-gegen-haeusliche-gewalt-a-897359.html

Menschenrechte in Saudi-Arabien
http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte_in_Saudi-Arabien

Sonntag, 28. April 2013

Evolution


"Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war.
Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet." (Mark Twain)

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe Respekt vor Religionen. Ich habe Respekt davor, wie Menschen, durch Religion zu Höherem inspiriert, Unglaubliches erschaffen konnten wie die Pyramiden, einen Jupiter-Tempel oder den Petersdom.

Ich habe Respekt vor einer Institution, die einen zu Unrecht von ihr mit Folter und Tod bedrohten Astronomen namens Galileo Galilei formal wieder rehabilitiert, auch wenn dies wie in diesem Fall erst 350 Jahre nach seinem Tod geschah.

Und natürlich habe ich zwangsläufig riesigen Respekt vor religiösen Fanatikern, die einem mit Enthauptung drohen, wenn man auch nur den geringsten Zweifel an ihren Idolen äußert.

Gar keinen Respekt habe ich jedoch vor Menschen, die wissenschaftliche Erkenntnisse nicht wahrhaben wollen und diese dann verdrehen, um ihr verschrobenes Weltbild zu schützen. Die Rede ist von den so genannten Kreationisten.


1. Gebot: Du sollst keinen Unsinn plappern


"Der Mensch kommt unter allen Tieren in der Welt dem Affen am nächsten."
(Georg Christoph Lichtenberg)


Die Hauptverfechter des Kreationismus sind die in den Vereinigten Staaten stark vertretenen evangelikalen Christen, die auch politisch stark Einfluss nehmen. Laut einer Umfrage "Pew Forums on Religion and Public Life (2005)" sind 42 Prozent der US-Amerikaner der Ansicht, dass "die Lebewesen seit Anbeginn der Zeit in ihrer heutigen Form existierten". Die Hälfte der Amerikaner mit einem Alter über 65 akzeptiert den Kreationismus, in Kansas und Pennsylvania wurden Kreationismus und "Intelligent Design" sogar in die Lehrpläne der Schulen integriert.

Kreationisten bestreiten neben der Entwicklungsgeschichte des Menschen auch naturwissenschaftliche Theorien über den Ursprung des Lebens, die geologische Erdgeschichte, die Entwicklung des Sonnensystems und den Ursprung des Universums. Evangelikale und fundamentalistische Christen sowie einige ultraorthodoxe Juden vertreten den Glauben, dass die Erde von Gott vor wenigen tausend Jahren erschaffen wurde. Ein englischer Erzbischof  hat das im 17. Jahrhundert einmal anhand biblischer Lebensläufe und Stammbäume genau ausgerechnet: Zeitpunkt der Schöpfung war demnach der 23. Oktober 4004 vor Christus. Die Erde und das Universum sind somit 6017 Jahre alt. Aha.

Wissenschaftliche Methoden der Altersbestimmung wie die Radiokarbon-Methode, die Isochronmethode, die Eiskerndatierung und die Dendrochronologie werden von Kreationisten zwar zur Kenntnis genommen, aber - da sie dem Glauben widersprechen - schlicht für falsch erklärt.

Da die Verfassung der USA ein Verbot religiöser Inhalte im Schulunterricht enthält und es keinen gesonderten Religionsunterricht gibt, bleibt dieser Gruppe nur eine Möglichkeit, ihre eigenen und anderer Leute Kinder auch in der Schule erfolgreich zu indoktrinieren: Der Kreationismus muss wissenschaftlich erscheinen und im Biologie- oder Naturwissenschaftsunterricht verankert werden: Fossilien sind somit plötzlich das Ergebnis der Zerstörung durch eine globale Flut, wie sie in der Genesis beschrieben wird, das sprunghafte Auftreten neuer Arten wird mit dem Eingreifen Gottes in die "Evolution" erklärt. Hauptsache, das mittelalterliche Weltbild bleibt unangetastet.


Lebte Kreationisten zufolge bis vor kurzem möglicherweise als Drache weiter: Dinosaurier.


Im US-amerikanischen Dorf Petersburg, Boone County, unweit von Cincinnati im Bundesstaat Kentucky, befindet sich ein Museum der besondern Art: Das "Creation Museum" bringt seinen Besuchern dort folgende "Tatsachen" nahe:

  • Erde und Universum sind 6000 Jahre alt und wurden in einer sieben Tage dauernden Schöpfungswoche erschaffen
  • Die ersten Menschen waren Adam und Eva (letztere wurde aus Adams Rippe erschaffen)
  • Gott rottete zwischenzeitlich einmal durch die Sintflut alle Menschen und Tiere aus - außer Noah und die Tiere in seiner Arche (immerhin nach heutigem Stand bei mindestens einer Million bekannter Arten also zwei Millionen Exemplare, darunter Vogelspinnen, Giftschlangen und Moskitos, aber leider keine Einhörner)
  • Der Grand Canyon, den ja jeder Amerikaner kennt und der Fragen nach dem Entstehen von Gesteinsschichten aufwerfen könnte, wurde innerhalb weniger Monate von der großen Flut geschaffen
  • Nahezu realsatirisch liest sich bei Wikipedia, was dem Museum zum Verbleib der Dinosaurier einfällt: "Umstritten ist der Verbleib der Dinosaurier. Diese könnten durch die Sintflut ausgelöscht worden oder als Drachen bis in die nahe Vergangenheit weitergelebt haben."

Herrlich. Wenn's nicht so traurig wäre.


2. Gebot: Du sollst offen sein für neue Erkenntnisse 


"Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang,
für den Wissenschaftler am Ende aller seiner Überlegungen." (Max Planck)


In den 90er Jahren klingelten in Berlin einmal zwei Vertreter der "Zeugen Jehovas" bei mir. Ein älterer Herr und eine ältere Dame (soweit ich mich erinnere, seine Frau) fragten freundlich, ob sie mit mir über Gott sprechen könnten. Da es mir in diesem Moment ungelegen war, ich aber auch ein wenig neugierig war, vereinbarten wir einen Termin am darauffolgenden Tag, zu dem die beiden auch pünktlich erschienen.

Ich hatte Tee und Gebäck bereitgestellt und - da ich zu der Zeit Biologie studierte - auch ein gängiges Schulbuch zum Thema "Evolution" zur Hand, welches u. a. das Bild eines Wal-Skeletts enthielt, auf dem man recht gut einen rudimentären Beckenknochen-Rest erkennen konnte.

Für mich ein klarer Fall: Die Abbildung legte eindeutig nahe, dass sich Wale evolutionär aus vierfüßigen Lebewesen entwickelt hatten. Ein Blick auf die Vorderextremität lässt wohl jeden Beobachter bemerken, wie ähnlich diese einer menschlichen Hand ist, man erkennt neben Elle und Speiche auch Handwurzelknochen und Fingerglieder ohne jede Mühe. Auch ohne das Wissen, dass Wale mit Lungen atmende und lebendgebärende Säugetiere sind, kann man so schon den einen oder anderen Schluss in Richtung Evolution des Wales ziehen.

Skelett eines Bartwales (a = Schulterblatt, b = Vorderbein, c = Rest des Hinterbeins). Meyers Konversionlexikon 1888. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Whale_skeleton.png (gemeinfrei)

Nicht so jedoch meine beiden Gäste. Nach einer Phase freundlichen Smalltalks und nach einem groben Umreißen unserer Weltbilder (beide waren wie erwartet recht gottgläubig, ich selbst war ein paar Jahre zuvor aus der Kirche ausgetreten), brachte ich das Thema einmal auf die Evolution und wedelte provozierend mit dem Biologie-Schulbuch vor den beiden herum. Ich schlug die Seite mit dem Walskelett auf und fragte, was sie denn von solcherlei Erkenntnissen hielten.

Nach einem kurzen Augenblick des ehrlichen Erstaunens und Augenbrauenhebens fragte der ältere Herr dann: "Daran glauben Sie doch nicht wirklich, oder?"

Glauben? Ich dachte erst, ich hätte verkehrt gehört, fragte aber höflich zurück: "Was glauben Sie denn?"

Nun packte der ältere Herr eine Bibel und einen Aktenordner aus, in dem seinen Angaben nach Antworten auf so gut wie alle Fragen stünden, blätterte in einer Art Register - und las mir dann einige ausgewählte Bibelstellen vor, die nach Ansicht der Autoren dieser Mappe offenbar tieferen Aufschluss zum Thema "Wale" gäben. Unter anderem fiel das Wort "Walfische".

Wir redeten dann noch eine gute halbe Stunde munter aneinander vorbei - meine Gäste zitierten die Bibel, ich Biologie-Schulbücher. Am Ende saßen wir alle etwas ratlos herum, knabberten an unseren Keksen und nippten an unseren Teetassen.

Bei der Verabschiedung sagte der Mann zu mir: "Wissen Sie, ich habe für meinen Glauben im Konzentrationslager gesessen. Sie werden wohl kaum annehmen, dass ich das getan hätte, wenn ich irgendwelche Zweifel an diesen Dingen hätte."

Was soll man dazu sagen? Ich verkniff mir ein "Kann ja trotzdem falsch sein" und verabschiedete die beiden betroffen. Betroffen vor allem, weil niemand mit dem, was für jeden eine absolut klare Erkenntnis war, den anderen auch nur im Entferntesten irgendwie erreicht hatte.

Merkwürdigerweise klingelten die beiden ein paar Tage später wieder bei mir, diesmal wimmelte ich sie aber unter Hinweis auf unsere doch augenfällig vollkommen unvereinbare Ansichten höflich, aber entschieden für immer ab.


3. Gebot: Du sollst selbst denken


"Ich habe, glaube ich, die Zwischenstufe zwischen Tier und Homo sapiens gefunden. 
Wir sind es." (Konrad Lorenz)


Vorderextremitäten von Mensch, Hund, Schwein, Kuh, Tapir, Pferd.
Aus: Gagenbauer, Grundzüge der vergleichenden Anatomie, 2. Aufl. 1870.
Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gegenbaur_1870_hand_homology.png (gemeinfrei)

Ein griechischer Philosoph sagte einmal: "Wenn man die Dinge nur lange genug betrachtet, dann wird man sie auch verstehen."

Wer dies für sich selbst ausprobieren möchte, der kann sich ja einmal obiges Bild näher anschauen, auf welchem die Vorderextremitäten recht verschiedener Landwirbeltiere abgebildet sind. Jeder Laie dürfe sofort den gleichen Bauplan von Elle, Speiche, Handwurzelknochen und Fingerknochen erkennen, ebenso, wie im Laufe einer Entwicklung hier manche Einzelbestandteile offenbar in die eine oder andere Richtung mutiert sind. Den Rest muss die Umwelt bewirkt haben, denn jede Neumutation muss erst einmal einem Selektionsdruck ihrer Umgebung standhalten. Oder, etwas einfacher gesagt: Müssten wir Menschen auf vier Beinen in der Gegend herumgaloppieren, dann hätten wir wohl heute auch Hufe.

Welche  produktiven geistigen Prozesse durch ein "genaues Hingucken" und Nachsinnen in Schwung kommen können, zeigte in Europa 1755 das große Erdbeben von Lissabon, ein Ereignis, das das gesamte Abendland der damaligen Zeit zum genaueren Hinsehen nötigte - und dessen Weltbild mindestens ebenso stark erschütterte wie die Gebäude der portugiesischen Hauptstadt.

Die Sache war nämlich die: Das Erdbeben ereignete sich (ähnlich wie das Erdbeben im Indischen Ozean 2004 mit seinen verheerenden Tsunamis) an einem der höchsten christlichen Feiertage, in diesem Fall am 1. November - also an Allerheiligen.

Nahezu alle Kirchen stürzten über darin betenden Menschen ein, während das Rotlichtviertel der damaligen Zeit, die Alfama, weitgehend unversehrt stehen blieb. Verängstigte Menschen rannten zum Hafen, nur um dort von einer Tsunami-Flutwelle fortgerissen zu werden. Die halbe Stadt brannte ab.

Das warf Fragen auf: Wie konnte ein gerechter und gütiger Gott dies zulassen?
Warum starben gläubige Christen, während Huren und zwielichtige Gestalten überlebten?
Wie konnte so etwas passieren?

Erdbeben von Lissabon 1755, zeitgenössischer Kupferstich (gemeinfrei)
Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:1755_Lisbon_earthquake.jpg



Auch Leute wie Goethe - zur Zeit des Erdbebens sechs Jahre alt - kamen ins Grübeln: "Gott, der Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erden, den ihm die Erklärung des ersten Glaubens-Artikels so weise und gnädig vorstellte, hatte sich, indem er die Gerechten mit den Ungerechten gleichem Verderben preisgab, keineswegs väterlich bewiesen."

Der verantwortliche portugiesische Premierminister begann umgehend mit Rettungs- und Wiederaufbaumaßnahmen. Er ließ Leichen auf Schiffe laden und im Meer bestatten, obwohl dies den damaligen Gebräuchen widersprach und die katholische Kirche es strikt ablehnte. Er ließ aber auch Beobachtungen sammeln, um Hinweise auf die Entstehung des Bebens zu erhalten. Hierbei fiel auf, dass sich viele Tiere vor Ankunft des Tsunamis in höher gelegene Gebiete geflüchtet hatten. Es war das erste Mal in Europa, dass man solches Verhalten von Tieren überhaupt bemerkt hatte. Von nun an sah man näher hin - und blieb skeptisch. Seit dem Beben von Lissabon hörte man stärker auf die Wissenschaftler - und etwas weniger auf die Pfarrer: die Epoche der Aufklärung war geboren.

Auch der portugiesische König war nicht mehr der gleiche Mann, der er vor dem Beben gewesen war. Hatte er zum Zeitpunkt der Katastrophe noch betend in einer Kirche gesessen, verlor er dort offenbar in größerem Umfang sein Vertrauen zumindest in die Standsicherheit solcher Gebäude. Den Rest seines Lebens wohnte er sicherheitshalber in einem Zelt.

Auch in anderen Regionen der Welt gibt es verheerende Erdbeben und Naturkatastrophen: Die Tsunami-Katastrophe von 2004 (am 2. Weihnachtsfeiertag) traf am härtesten mit Indonesien ausgerechnet den Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. Auch in Bangladesch (90 Prozent Moslems), Pakistan (96 Prozent Moslems) und dem Iran (98 Prozent Moslems) bebt und rüttelt es, was das Zeugt hält. Aber dort zieht man offenbar andere Schlüsse hinsichtlich des Verhältnisses von Religion und Naturwissenschaft als 1755 in Europa. Und auch in überwiegend christlichen Ländern wie Chile, Italien oder Mexiko bebt es weiterhin oft und heftig.

4. Gebot: Du sollst dich nicht nur mit Leuten umgeben, die dasselbe glauben wie du



"Im Flugzeug gibt es während starker Turbulenzen keine Atheisten."
(Robert Lembke)



Mein Vater vor der Freitagsmoschee in Isfahan, Persien

Mein Vater, aus dem seinerzeit deutschen Danzig heimatvertriebener Protestant, hatte in den 1960er-Jahren gleich zwei Schlüsselerlebnisse mit - wie er sagte - "weniger aufgeklärten Menschen", und zwar im heimischen Bayern sowie im fernen Persien (dem heutigen Iran).

Nach dem Krieg hatte er in Bayern Arbeit als Webmeister gefunden und war nun von einer mehrheitlich katholischen Bevölkerung umgeben, deren Rituale ihm zum Teil gänzlich neu waren und die dazu führten, dass er hier und da auch mal aneckte, da die ortsansässige Bevölkerung ihre religiösen Gewohnheiten und Gebräuche als absolut selbstverständlich für jedermann erachtete. Während dieser Zeit erhielt er ein Angebot, für ein Jahr im persischen Isfahan zu arbeiten, was er annahm. Dort war er nun von Moslems umgeben, die ihre Religion gleichfalls als absolut selbstverständlich erachteten und nach dem Motto verfuhren: Die "Ungläubigen" (dazu zählten ihrer Auffassung nach auch fromme Christen) haben sowieso immer Unrecht, wenn es um Fragen des Glaubens geht.

Zurück in Bayern, kam er mit einem "alten Mütterchen" ins Gespräch, die sich zuvor verwundert über alles Nichtkatholische geäußert hatte. Am Ende sagte er zu ihr: "Wissen Sie, es es gibt da draußen in der Welt Millionen von Menschen, die genau wie Sie davon ausgehen, dass ihre Religion die einzig richtige ist und die sich genauso über Sie wundern würden. Das sollte einem doch zu denken geben, oder?"

Auch im heutigen Deutschland - ganz gleich, ob Moslem, Christ oder Atheist - gilt wie wohl überall auf der Welt die Regel: 80 Prozent der Kinder gehören der Konfession ihrer Eltern an - schon allein das sollte einem zu denken geben.


5. Gebot: Gehet hin in Frieden

"Manche Hähne glauben, dass die Sonne ihretwegen aufgeht."
(Theodor Fontane)

Auch nur ein Stern: die Sonne.
Quelle: NASA (gemeinfrei)
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sun_in_X-Ray.png


In welche Richtung schreitet nun unsere Evolution voran? Die Physik hat uns ganz ungebeten die frustrierende Botschaft übermittelt, dass unser Sonnensystem schon in einigen hundert Millionen Jahren kein Leben mehr ermöglichen wird, wie wir es heute kennen: Unsere Sonne wird dann zum roten Riesen und wird uns - bzw. unsere Nachkommenschaft - nach und nach verbrutzeln. Für die bisherige Evolution vom Einzeller bis zum Menschen hatten wir zwei Milliarden Jahre Zeit - um von diesem Planeten herunterzukommen, nur noch einige hundert Millionen.

Unsere Lebenserwartung liegt bei maximal 130 Jahren. Die meisten Menschen werden jedoch eher 80 Jahre alt, wobei sie eigentlich nur zwischen dem 20. und dem 70. Lebensjahr Zeit haben, um sich gründlich in die Naturwissenschaften einzuarbeiten. Man hat also ein halbes Jahrhundert Zeit, das Wissen der Menschheit zu verstehen, etwas daraus zu machen und es weiterzugeben an die nachfolgende Generation.

Die Dinosaurier lehren uns, was es heißt, wenn die eigene Uhr überraschend abläuft und ein Asteroid mit ein paar Kilometern Durchmesser einen plötzlich von der Krone der Schöpfung zum Legebatterie-Hühnchen degradiert.

Wir sind dann mal gespannt, - wie es weitergehen wird mit der Menschheit!




Weblinks:

Kreationismus an US-Grundschule: Haben Dinosaurier und Menschen gleichzeitig gelebt?
http://www.sueddeutsche.de/bildung/kreationismus-an-us-grundschule-haben-dinosaurier-und-menschen-zeitgleich-gelebt-ja-1.1660220

Wissenschaftspolitik in den USA: "Darwin for Congress"
http://www.sueddeutsche.de/wissen/wissenschaftspolitik-in-den-usa-darwin-for-congress-1.1521048

Homeschooling: US-Gericht untersagt Asyl für deutsche Schulverweigerer
http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/homeschooling-familie-romeike-bekommt-doch-kein-asyl-in-den-usa-a-900109.html

Samstag, 20. April 2013

Hitler und kein Ende


An dieser wenig spektakulären Stelle schoss sich am Montag, den 30.04.1945,
8 Meter unter der Erde, Adolf Hitler gegen 15:45 Uhr eine Kugel in den Kopf.


Hitler - Sie wissen schon - der, wegen dem viele unserer Städte so hässlich sind und wegen dem wir im Ausland nicht immer politisch korrekt gegrüßt werden - Hitler also - wäre heute 124 Jahre alt geworden. Und am 30. April vor 68 Jahren schoss er sich dann dankenswerterweise endlich eine Kugel in den Kopf. Damit endete, auch wenn noch ein paar Tage weitergekämpft wurde, in Europa der Zweite Weltkrieg.

In seinen letzten Tagen hatte Hitler "sein" Volk (also uns) abgeschrieben: Es habe sich als das schwächere erwiesen, er werde ihm "keine Träne nachweinen". Die Völker des Ostens seien eben stärker gewesen, und der Stärkere setze sich nun einmal immer gegen den Schwächeren durch. Die Natur sei da "unerbittlich". Undsoweiter undsoweiter.


Hitlers falsches biologistisches Weltbild 

Hitler bleibt ein grausames Beispiel für Menschen, die von der wunderbaren Naturwissenschaft Biologie und ihren Unterabteilungen Evolution und Genetik leider nur einen Teil (und diesen eigentlich auch eher falsch) verstanden haben, sich hieraus aber in kürzester Zeit ein komplett geschlossenes Weltbild hergeleitet haben.

Jeder Biologie-Referendar könnte Hitler heute erklären, warum seine Ideologie aus wissenschaftlicher Sicht Blödsinn war:

  • Nicht der Stärkere setzt sich gegen den Schwachen durch, sondern der am besten Angepasste gegen den schlechter Angepassten (was immer von den jeweiligen Umweltbedingungen abhängt, welche sich auch mal schlagartig ändern können)
  • Es gibt gar keine "minderwertigen" oder "höherwertigen" menschlichen Rassen, es gibt streng genommen gar keine menschlichen Rassen (da dieser Begriff genauen biologischen Kriterien nicht genügt), sondern es gibt höchstens graduelle Unterschiede von Eu- und Phäomelaninkonzentrationen in Haut und Haar, kleinere Mutationen bei Augenlidfalten, Blutgruppenverteilungen etc., die für die Fortpflanzungsfähigkeit und -bereitschaft untereinander keine Rolle spielen (außer man ist Rassist, wie Hitler). Sogar in Wikipedia kann es jeder Interessierte lesen: "In der Biologie wird die Art Homo sapiens heute nicht mehr in Rassen unterteilt. Molekularbiologische und populationsgenetische Forschungen haben seit den 1970er Jahren gezeigt, dass eine systematische Unterteilung der Menschen in Unterarten ihrer enormen Vielfalt und den fließenden Übergängen zwischen geographischen Populationen nicht gerecht wird. Zudem wurde herausgefunden, dass der größte Teil genetischer Unterschiede beim Menschen innerhalb einer geographischen Population zu finden ist. Die Einteilung des Menschen in Rassen entspricht damit nicht mehr dem Stand der Wissenschaft."
  • Auf die "Reinheit" seiner "Rasse" zu achten, ist auch Unsinn, da "die Natur" immer die Vielfalt begünstigt und nicht die Einfalt (vgl. auch Monokulturen von Wäldern bei Schädlingsbefall etc.)
  • Der Lebensraum der Menschen ist in Deutschland nicht "zu klein" (dann wären wir lange verhungert). Im Fürstentum Monaco leben 15.250 Menschen pro Quadratkilometer, in Südkorea immerhin noch 487. Ach ja, und in Deutschland nur 230. Die nur ca. 1,2 Hektar große kolumbianische Insel Santa Cruz del Islote weist übrigens rechnerisch eine Bevölkerungsdichte von etwa 100.000 Einwohnern pro Quadratkilometer auf. Die brauchen vielleicht wirklich mehr Lebensraum dort, bisher gab es aber diesbezüglich noch keine Klagen.
Hitler wurde also nicht nur von der Geschichte und von der Menschlichkeit, er wurde auch von der Wissenschaft längst glänzend widerlegt.


Hauptsache größer: Hitlers Masterplan für Germanias neue Mitte im Museum


Leider fielen Hitlers Theorien zum Teil in diesem Lande auf erstaunlich fruchtbaren Boden. Die Mischung aus Unwissenheit, Wegsehen und Nicht-Wahrhaben-Wollen auf der einen sowie Begeisterungsfähigkeit, Idealismus und Patriotismus auf der anderen Seite zeigte Wirkung. Noch heute gäbe es sicher unzählige Adolf-Hitler-Plätze, -Straßen und -Statuen in Deutschland, wäre dieser 1938 einem Attentat zum Opfer gefallen (so vermutet zumindest der Historiker Sebastian Haffner in seinem Buch "Geschichte eines Deutschen").

Hitlers weitere spektakuläre Bilanz(1):
  • 219.600 tote Sinti und Roma
  • 250.000 tote Euthanasie-Opfer
  • 3.300.000 tote sowjetische Kriegsgefangene
  • 3.340.000 - 4.300.000 tote nichtjüdische Zivilisten, KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, Deportierte
  • 6.000.000 tote Juden

Durch den Zweiten Weltkrieg ließen allein in Europa über 45 Mio. Menschen ihr Leben.


Ehemals deutsches Gut in Pommern: entschädigungslos konfisziert, Bewohner vertrieben

Außerdem - wenngleich von diesem ungewollt - gehen auf Hitlers Konto:

  • Verlust Hinterpommerns, Schlesiens, Ostbrandenburgs und Ostpreußens: Deutschland verlor ein Viertel seines Gebiets von 1937 - ein Fünftel seiner Bevölkerung wurde vertrieben (12 bis 14 Millionen Deutsche). Mehrere hunderttausend Menschen wurden in Lagern inhaftiert oder mussten – teilweise jahrelang – Zwangsarbeit leisten. 
  • Tod von 600.000 bis 2.000.000 Deutschen auf der Flucht. 
  • Eine große Zahl von Frauen aller Altersgruppen wurde vergewaltigt (Schätzungen beziffern die Zahl auf rund 2 Millionen), es gab etwa 240.000 Todesopfer infolge von Vergewaltigungen durch die Rote Armee
  • Teilung Deutschlands: Das Land blieb 40 Jahre lang geteilt, davon 28 Jahre mit Mauer, Stacheldraht und Selbstschussanlagen
All dies war die Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und Kriegsverbrechen in Ostmittel- und Südosteuropa.




"Der Führer" lebt weiter - in manchen Köpfen

Und Hitler? Er erfreut sich weiterhin hoher Beliebtheit bei manchen Deutschen und Österreichern:

Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung ergab 2012: Knapp 16 Prozent der Ostdeutschen haben ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild - Tendenz steigend. Im Westen sieht es zum Teil nicht besser aus: "Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß", meinen 19,7 Prozent der Befragten aus Westdeutschland (nachzulesen unter: http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_12/mitte-im-umbruch_www.pdf).

Auch das Bergische Wuppertal hat sich in den vergangenen Jahren offenbar zu einer Hochburg der rechtsextremen Szene entwickelt. Dort werden schon gerne einmal Kino-Vorführungen von Rechtsextremisten gestört. Die Welt berichtet: "Die Männer singen das NS-Propagandalied 'Ein junges Volk steht auf', sie sind mit Schlagwaffen, Messern, Gas- und Pfeffersprays bewaffnet. Sicherheitsleuten gelingt es in einem Handgemenge, die Männer vor die Tür zu befördern. Daraufhin werfen sie Steine vor die Fassade."



Hitlers Heimat Österreich: 61 Prozent wünschen sich wieder einen "starken Mann"


Die Vergangenheit wird hier und da fleißig geschönt, so auch bei unseren österreichischen Nachbarn: Zum Jahrestag des Anschlusses Österreichs ans Deutsche Reich (1938) wollte die liberale Tageszeitung "Der Standard" in einer repräsentativen Umfrage herausfinden, wie der gemeine Österreicher über dieses Thema denn so denke. Ergebnis: 42 Prozent der Befragten stimmten der Aussage "Unter Hitler war nicht alles schlecht" zu . 54 Prozent antworteten auf die Frage, ob Nationalisten in Österreich mit einer völkischen Ideologie bei Wahlen eine Chance hätten, mit "Ja". 61 Prozent der Befragten hätten gerne einen "starken Mann" an der Spitze des Landes. Na, Mahlzeit!

Diese Trends spiegeln sich auch in Wahlerfolgen der rechtsextremen deutschen NPD: Schon bei der Landtagswahl 2006 erreichte die NPD in Mecklenburg-Vorpommern 7,3 Prozent der Stimmen. 2011 erzielte sie im Landtagswahlkreis Uecker-Randow I 15,4 Prozent der Zweitstimmen und kam in zwölf Gemeinden, die alle im neuen, an Polen grenzenden Landkreis Vorpommern-Greifswald liegen, auf Ergebnisse von über 22 Prozent. Wie sich da wohl die Polen unmittelbar hinter der Grenze fühlen mögen?

Ausgerechnet am 20. April - Führers Geburtstag - trifft sich die NPD zum Parteitag. Parteisprecher Frank Franz nannte die Terminierung "unschön". Dem kann man nur vorbehaltlos zustimmen.
Wie der SPIEGEL berichtet, wünscht sich die Partei "einen alten Hardliner zurück".

Immerhin machen sich auch die Rechten gerne selbst Konkurrenz: Der Neonazi Christian Worch gründete im vergangenen Jahr "Die Rechte" - laut SPIEGEL "ein Sammelbecken von frustrierten NPD-Kadern, ehemaligen DVU-Mitgliedern und Autonomen Nationalisten."

Noch 2011 erhielt die NPD vom deutschen Staat 1,3 Mio. Euro an staatlichen Mitteln. Kaum zu glauben - aber gesetzliche Pflicht bei solch stattlichen Wahlerfolgen. Einziger Trost: Bei der NPD kann man anscheinend so schlecht mit Geld umgehen, dass im April 2013 alle Mitarbeiter der Berliner Zentrale entlassen werden mussten. Ein kleiner Trost. Aber die Gesinnung bleibt.

Etwa 25.000 Rechtsextremisten gibt es laut Verfassungsschutz (2011) in Deutschland, 5600 davon werden als "gewaltbereit" eingestuft, die deutschen Sicherheitsbehörden fahnden nach 266 in den Untergrund abgetauchten Neonazis. Die Szene ist "dynamisch, vernetzt, vielfältig und einflussreich" (Die Zeit).

Nicht einmal im Gefängnis ist Schluss. Schon im Herbst 2011 hatte der deutsche Bundesinnenminister ein rechtsradikales Netzwerk, die "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige", verboten. Im April 2013 deckten die hessischen Justizbehörden ein bundesweit operierendes rechtsradikales Netzwerk in deutschen Gefängnissen auf.

Über ihre Musik rekrutieren Neonazis fleißig Nachwuchs: Seit den 1980er Jahren steigt die Zahl der Neonazi-Bands stetig an, jedes Jahr gibt es hunderte illegaler Konzerte.

Nichts aus der Geschichte gelernt

Was geht vor in den Köpfen von Neonazis? Ich verstehe es nicht. Und ich werde es nie verstehen.
  • Wie vieler Toten hätte es denn noch bedurft, damit kein Deutscher Adolf Hitler auch nur eine Träne nachweint?
  • Wie wenig Mitgefühl muss man haben, um allen ermordeten jüdischen, polnischen, russischen und all den anderen Kindern gleich welcher Nationalität ins Jenseits nachzubrüllen, man sei "stolz, ein Deutscher zu sein"?
  • Hätte man Deutschland - wie im Morgenthau-Plan erwogen - vielleicht doch besser in einen Agrarstaat verwandelt?

Hitlers Globus samt Einschussloch im Deutschen Historischen Museum Berlin


Was hilft?

Was hilft gegen rechtes Gedankengut? In der Schule arbeiten tausende Lehrerkolleginnen und -kollegen täglich daran, das Vergessen zu verhindern und ein "Nie-wieder!" in die Köpfe der Jugendlichen zu hämmern. Im Wesentlichen mit Erfolg: Der überwiegende Teil der Schülerinnen und Schüler möchte mit Nazis nichts zu tun haben und geht verantwortungsbewusst mit dem Thema um. Auch wenn der eine oder andere Übersättigungseffekt eintreten mag, wenn zum fünften Mal in Folge "Schindlers Liste" im Unterricht geguckt wird.

Das Faktenwissen über die Hitler-Zeit ist hierbei z. T. mäßig, da irgendwann das tiefere Interesse an der Epoche zu erlöschen scheint. Auf meine Frage im Politik-Unterricht, wann genau Hitler starb, erhielt ich (neben beinahe richtigen) auch schon die folgenden Antworten:

  • "So 1950?"
  • "In den 60er Jahren?" sowie den Hinweis:
  • "Der wurde doch von diesem Adenauer ernannt!"

Bei einer Vorführung des erschütternden Nachkriegs-Dokumentarfilms von Erwin Leiser "Mein Kampf" schlief die Hälfte der Schülerinnen und Schüler schon nach einer Viertelstunde demonstrativ auf dem Tisch ein (nach Ausschöpfung aller vorherigen denkbaren Ablenkungsmöglichkeiten mit dem Smartphone). Entspricht wohl nicht mehr den Blickgewohnheiten der heutigen Generation.

Die Programme der Bundesregierung konzentrieren sich überwiegend auf präventive Maßnahmen, etwa in dem Sinne "Vielfalt tut gut", "Toleranz statt Vorurteil" etc. Ziel ist vor allem eine Stärkung der Zivilgesellschaft.

2011 hat das Bundesfamilienministerium 24 Millionen Euro für die Bekämpfung von Rechtsextremismus ausgegeben (warum eigentlich das Familienministerium?). Daneben gibt es noch ein Aussteigerprogramm des Arbeitsministeriums (wieso eigentlich des Arbeitsministeriums?). Die Ausgaben der Bundesländer reichen von nur 50.000 Euro in Schleswig-Holstein (Nanu?) bis zu 2 Millionen in Bayern. Sachsen erhöhte für 2012 seinen Etat von 2 auf 3 Millionen Euro. Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt jährlich auch noch etwa 2,3 Millionen Euro aus.
In Deutschland gibt es darüber hinaus eine Vielzahl von nichtstaatlichen Initiativen und Organisationen, etwa die Antifaschistische Aktion (Antifa), die Antirassistische Initiative, das Netzwerk für Demokratie und Courage und viele andere mehr.
Was bleibt, ist die Frage nach der Wirksamkeit aller bisherigen Programme gegen Rechtsextremismus. Offenbar ist dieser schon länger Teil einer Jugendkultur geworden, die meint, ihren Protest gegen den gesellschaftlichen Ist-Zustand auf diese Art und Weise artikulieren zu müssen. Besonders - aber nicht nur - im Osten. Auch wenn es noch so entwürdigend und peinlich für alle Deutschen ist.

Hitler ist 68 Jahre tot. In zwei Jahren erlischt damit in Deutschland auch sein Urheberrecht. Jeder noch so Gestörte darf dann Hitlers wirres Werk "Mein Kampf" publizieren. Man darf gespannt sein, ob einem dann von Neonazis in Fußgängerzonen Gratis-Exemplare gereicht werden.

Widerstand erlaubt - "wenn andere Abhilfe nicht möglich ist"

Dummheit könne man nicht verbieten, so der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler. Aber was hilft dann?

Ein kleiner Trost bleibt: Gegen jeden, der es unternimmt, diese freiheitlich-demokratische Ordnung zu beseitigen, "haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist." Dieses in Artikel 20  Abs. 4 des Grundgesetzes verbriefte "Recht zum Widerstand" ist Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und gilt als grundrechtsgleiches Recht.
Voraussetzung ist allerdings, dass sonst wirklich gar nichts mehr hilft gegen die Feinde dieser Grundordnung.

Hitlers Rest

Was blieb eigentlich - im biologischen Sinne - von Hitler selbst übrig? Seine Leiche wurde im Hinterhof des "Führerbunkers" unvollständig verbrannt und zunächst verscharrt, dann von sowjetischen Soldaten exhumiert, nach Moskau gebracht und gerichtsmedizinisch untersucht. Anschließend wurden die Überbleibsel - warum auch immer - zurück nach Deutschland, in eine sowjetische Kaserne bei Magdeburg transportiert, wo dann der klägliche Rest des "Führers" 1970 auf Anweisung von KGB-Chef Andropow  verbrannt wurde. Die Asche von "Deutschlands Verderber" (so der Aufdruck auf Hitler-Briefmarken, die nach dem Krieg zunächst weiter genutzt wurden) wurde von einer ironischerweise "Schweinebrücke" genannten Querung des Brackwasser Biederitz am Stadtrand von Magdeburg in ein unschuldiges, fortan nunmehr bräunlichen Bächlein gestreut.

Leider gilt für ihn besonders am heutigen Tage der Spruch: "Er ist nicht wirklich tot, so lange wir seiner gedenken." Die Frage ist nur eben, - wie.


Spätes Ende 1970 in einem bräunlichen Bächhlein: Adolf Hitler



_______________________
(1) Quellen: John Preger, W. van Mourik, Eddy Bauer: Bilanz eines Weltkrieges. (1978) Lekturama, 2. Auflage 1981. / Hellmuth Auerbach: Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. In: Wolfgang Benz (Hg.): Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte. Dtv, Neuauflage 1992, ISBN 3-423-04666-X, S. 161 f.

Sonntag, 14. April 2013

Titanic

"Aber dieses Schiff kann nicht sinken!" 
J. Bruce Ismay (im Film)


"Sie wurde aus Eisen gefertigt, Sir, ich versichere Ihnen, sie kann!"
(Titanic-Konstrukteur Thomas Andrews im gleichnamigen Film)

Vor 101 Jahren sank die Titanic. Rund 1500 Menschen kamen bei dieser beispiellosen Schiffskatastrophe ums Leben. Warum interessiert uns das heute überhaupt noch? Beim Untergang der Fähre Doña Paz 1987 gab es 4386 Tote, an Bord der Wilhelm Gustloff versanken bei Kriegsende weit über 9000 Menschen in der kalten Ostsee, - aber niemand außer ein paar Geschichtslehrern und Schriftstellern, die sich am Dritten Reich und seinem Ende abarbeiten, weiß heute noch etwas davon. Warum also von der Titanic?

Erstens: Der Name sprach bereits für sich: die Titanische! Die Titanic repräsentierte das Beste, was die Menschheit damals zu bieten hatte, um den Gewalten der Natur zu trotzen. Unsinkbar! Rettungsboote? Im Prinzip überflüssig!
Wie sich dann ja zeigte, war dies etwas voreilig.

Zweitens: Viele Prominente waren beim Unglück an Bord, darunter vier der damals reichsten Männer der Welt. Ihr Verhalten im Angesicht des Todes, wie sie sich zuvor noch schnell "als Gentlemen angemessen" kleideten (Benjamin Guggenheim), nachdem sie zuvor noch ihren Frauen (oder Geliebten (wie Guggenheim)) in die viel zu knappen Rettungsboote geholfen hatten, wie sie - den Cognacschwenker in der Hand - in die schäumende Flut des todbringenden Meeres sahen - fabelhaft!

"Begleitmusik zum Ersaufen! Jetzt weiß ich, dass ich in der ersten Klasse bin!" 
(James Cameron, "Titanic")

Drittens: Die Klassengesellschaft. Wer weiß es nicht? Kaum einer aus der dritten Klasse überlebte den Untergang (immerhin 178 waren es dann doch noch), während die Snobs aus der ersten Klasse sich allesamt mit Pelzmantel und Champagnerglas in die wenigen Rettungsboote begaben (123 Passagiere der ersten Klasse allerdings überlebten den Untergang nicht). Von den vorhandenen 1178 Rettungsbootplätzen wurden am Ende dann auch nur ganze 705 genutzt - die feinen Herrschaften brauchten Platz und ließen die knappen Rettungsboote auch gerne schon mal vorzeitig abfieren. Deshalb muss es noch heute in jedem Titanic-Film mindestens einen Jack Dawson aus der 3. Klasse geben, der - bevor er stirbt - den ganzen Heldenmut der Menschheit aufwendet, um der ersten Klasse einmal so richtig zu zeigen, wo der moralische Hammer hängt.

Es gibt keine heutige "Titanic" - schade eigentlich!

Wie könnte man einen solchen Grusel heutzutage toppen? Eigentlich gar nicht, denn das Beste, was die Menschheit heute im Kampf gegen die Naturgewalten der Erde zu bieten hat, ist ein Haufen über den Planeten verteilter High-Tech-Geräte und Tiefsee-Glasfaserkabel. Wenig sexy.

Großkotzige Namen von Transportfahrzeugen sind seit der Titanic-Katastrophe auch etwas aus der Mode gekommen. Die NASA-Space-Shuttles bekamen sogar teilweise irritierend pessimistische Namen, etwa nach untergegangenen Kontinenten - wie die "Atlantis".

Und die Chance, dass Bill Gates, Carlos Slim Helú, Warren Buffet und Silvio Berlusconi gemeinsam an Bord eines Schiffes dem drohenden Untergang ins Auge sehen müssten, ist dann auch eher gering. Immerhin wüsste man heute, wer seiner Frau - und wer eher einer Geliebten ins Boot helfen müsste.

In diesem Sinne: Mast- und Schotbruch!




Samstag, 13. April 2013

Zu dick?

"Gott schickt das Fleisch und der Teufel sendet die Köche." (Taylor)

Kennen Sie jemanden, der durch Diäten schlank wurde? Also dauerhaft - nicht nur für ein paar Wochen oder Monate? Nein? Kein Wunder, denn die meisten Diäten machen nicht schlank, sondern dick.
Der so genannte "Jojo-Effekt" ist gnadenlos: 80 bis 90 Prozent vormals übergewichtiger Menschen sind innerhalb eines halben Jahres nach dem Fasten - wieder übergewichtig.


Lecker: Fett, Salz, Kohlenhydrate, Ballaststoffe!

Regelmäßiges Sattessen ist in der Natur nicht normal. Wochen- und monatelanges Fasten gehört zum normalen Jahresrhythmus vieler in freier Wildbahn lebender Tiere. Wenn aber nun ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung stehen und wir Menschen - evolutionär immer noch auf der Stufe des Steinzeitmenschen stehend - weiterhin bevorzugt energiereiche Nahrungsmittel voller Fett und Zucker (Pizza! Pommes! Schokolade!) in uns hineinschaufeln, dann ist Übergewicht die logische Folge. Die Speicherung von Depotfett ist für den menschlichen Organismus nun einmal rationelle Methode, sich Brennstoffvorräte zuzulegen. Da heißt es dann irgendwann: Ich mache eine Diät! Aber welche?

Die Diätenindustrie

Die Diskussion um die richtige Ernährungsform, zu der es erstaunlich wenig kontrollierte Studien, aber einen irre großen Markt gibt, ist von maximalen Gegensätzen beherrscht. So bezeichnet Otto Buchinger, Begründer des "Heilfastens", dieses als "König der Heilmethoden". Diesem wird von Michel Montignac, Bestsellerautor aus Frankreich, widersprochen, der predigt, "sorglose Völlerei" könne durchaus zu Schlankheit und Gesundheit führen, solange Kartoffeln und Weißmehl gemieden würden. Der Schweizer Arzt Bircher-Benner, Erfinder des Müslis, favorisiert ausschließlich Rohkost, Makrobiotiker hingegen nur Gekochtes. Der Mediziner Lothar Wendt prangert Eiweiß als "Gewebevergifter" an, während Robert Atkins, gleichfalls Mediziner, Blutzuckerstabilisierung durch "eiweißhaltige Kost aus Fleisch, Fisch und Eiern" zu bewirken hofft. Er wiederum verdammt die Kohlenhydrate, die allerdings den starken Zuspruch der Vollwertköstler finden.

Zwischenfazit: Vermutlich ist Zucker schuld

Diese ulkige Diskussion echter und selbsternannter Experten lässt nur in dem Punkt Übereinstimmung erkennen, dass in unserer Gesellschaft zuviel Fett und Zucker konsumiert werden (allerdings gibt es natürlich auch Studien - und zwar glaubhafte! - die auch diese These in Frage stellen: Fett mache gar nicht fett, nur der Zucker sei die Wurzel allen Übels). Halten wir also fest: Vermutlich ist der Zucker schuld.

Lecker: Fett, Zucker, Salz!

Dicke, Dicke, Dicke


"Ich bin froh, dass ich kein Dicker bin!" (Marius Müller-Westernhagen)

Mein Vater erzählte mir einmal folgende Geschichte: In den 40er-Jahren habe er Verwandte im Norden Deutschlands besucht. Dort habe es mittags so viel Fleisch zu essen gegeben, dass sogar er (Zeit seines Lebens ein überwiegender Fleischesser) ein Trauma davon getragen habe. Noch jahrelang habe er im Traum die Stimme seiner Gastgeber gehört: "Äss, Jungchen, äss, Fleisch, Jungchen, Fleisch!"


Der Durchschnittsdeutsche verzehrt pro Jahr 56 kg Schweinefleich (zum Vergleich: der weltweite Durchschnitt liegt bei 15 kg. Österreicher hingegen verzehren sogar 66 kg pro Jahr).
Nach Angaben des "Fleischatlas 2013" verbraucht ein Deutscher in seinem Leben im Schnitt über 1000 Tiere, 46 Schweine, 4 ganze Rinder und Schafe sowie einiges an Geflügel, darunter 945 Hühner. Im Durchschnitt verbraucht jeder Bundesbürger 19,3 Kilogramm Geflügel pro Jahr. Damit ist es die zweitbeliebteste Fleischsorte nach Schweinefleisch und liegt noch vor Rindfleisch. Pro Tag werden bundesweit über 1,7 Millionen Hühnchen geschlachtet, um die Nachfrage zu decken. (Quelle: Berliner Zeitung)



Lecker: Tierisches Eiweiß, Fett, Salz, Kohlenhydrate!

Übergewicht ist der wichtigste Krankheitsrisikofaktor in Industriestaaten, mit Auswirkungen vor allem auf Herz, Blutgefäße, Stoffwechsel und Verdauungsorgane.
Übergewichtige sind sich fast immer ihres Fehlverhaltens bewusst, ändern dies aber so gut wie nie. Sich nach einem genauen Diätplan beim Essen über einen längeren Zeitraum immer wieder zu kontrollieren, fällt manchem oft schwerer als ein vorübergehender völliger Verzicht auf Nahrung. Dies erklärt sich aus den psychosozialen Aspekten der Ernährung. Das Ernährungsverhalten setzt sich aus verschiedenartigen, in früher Jugend erlernten Ernährungsmustern zusammen - aus "Essen wie bei Muttern" wird "Essen wie Mutter". So wird bereits in der Kindheit auch die spätere Lebenserwartung weitgehend vorherbestimmt.

Fasten macht dick

"Bei leerem Magen / Sind alle Übel doppelt schwer." (Wieland)

Fastete angeblich 40 Tage: Jesus von Nazareth


Vor Beginn der Reformationszeit gab es eigentlich keine Kultur, in der es dem Menschen völlig freigestellt war, was wer wann essen durfte. Katholiken war bis vor dem zweiten Weltkrieg verbindlich vorgeschrieben, werktags nur eine volle Mahlzeit zu sich zu nehmen. Als nach dem zweiten Weltkrieg Fasten (zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag) und Abstinenz (kein Fleisch am Freitag) dem Gewissen des einzelnen überlassen wurden, empfanden dies viele als längst überfälligen Schritt. Jesus selbst soll 40 Tage lang gefastet haben (übrigens genau so lange, wie es für einen normalgewichtigen Menschen auch heute noch unter Medizinern als gesund gilt).
Ein weiteres Beispiel ist das Versöhnungsfest der Juden, Jom Kippur. Vor dem Fest darf 24 Stunden lang nichts gegessen werden, und der Fastenmonat des Islam, der Ramadan, gestattet nur Essen nach Sonnenuntergang. Der dies ernsthaft befolgende Gläubige soll nur wenig Obst und Käse zu sich nehmen.
Buddhistische Zen-Mönche und sog. "Heilige Männer" Indiens begleiten ihre Meditationszeiten ebenfalls mit Fasten, und es sind Bergvölker bekannt, die regelmäßig über mehrere Monate von der Umwelt abgeschnitten leben, zunächst ihre Vorräte aufbrauchen und anschließend fasten.
Das Fasten ist außerdem fester Bestandteil von Initiationsriten vieler Naturvölker, in denen junge Männer und Frauen fasten müssen, um "den Göttern näherzukommen".

Kranke Lebewesen verlieren gewöhnlich ihren Appetit, denn der Verdauungsvorgang benötigt allein schon ein Drittel der Energie, die in der Nahrung enthalten ist. Der zeitweilige Abbau von Depotfettreserven ist so gesehen insgesamt günstiger als die permanente Nahrungssuche, -aufnahme und -verdauung.

Warum also nicht einfach auch mal fasten?

Der Fastende freut sich oft über einen schnell einsetzenden Gewichtsverlust, der aber überwiegend auf eine Salz- und Wasserdiurese durch Ketonkörperbildung zurückzuführen ist.
Durch Hungern kommt es zu einer groben Umstellung im Stoffwechsel, beispielsweise wird die Stickstoffausscheidung drastisch reduziert. Unter Hungerbedingungen werden 1000 bis 2000 mg Stickstoff als Ammoniak ausgeschieden, Harnstoff wird kaum noch gebildet. Die häufig im Körper vermuteten "Schlacken" gibt es übrigens gar nicht - Stoffwechselprodukte werden von Darm und Nieren sowie über die Haut ausgeschieden. Fertig.

Für den Körper bedeutet Fasten eine große Anstrengung, Fett und Eiweiß werden aus Depots mobilisiert, wofür pro Tag zwei bis drei Liter Wasser benötigt werden. Bei extrem langen, eiweißfreien Fastenzeiten besteht die Gefahr, dass auch der Herzmuskel als Eiweißreserve angegriffen wird.


Lecker: Zucker, Fett, Eiweiß, Alkohol!

Die Steuerung der Stoffwechselvorgänge während des Hungerns hat vor allem die Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels zum Ziel. Das Gehirn verstoffwechselt täglich um die 115 g Glucose.
Der Tod infolge einer Unterernährung tritt allerdings nicht durch Hypoglykämie ein, sondern durch den Verbrauch von mehr als einem Drittel des Körpereiweißes.

Richtiges Hungern führt in den ersten zwei Wochen zunächst zu einem Eiweißabbau, da die verfügbaren Kohlenhydratreserven nur gering sind. Dies ist die Hauptursache für den Jojo-Effekt auch kontrolliert "heilfastender" Menschen. Sie hungern zwei Wochen, der Körper baut überwiegend Eiweiße ab, sie essen wieder, der Körper baut Depotfette auf.

Und nachher wiegt man mehr als vorher.

Wer also seinen Speck verlieren möchte und nicht seine Muskelmasse oder gar das Leben, der sollte sich etwas anderes zur Gewichtsreduktion einfallen lassen. Nur was?


Lecker: Alkohol und Zucker!


Wir wissen nicht, was Jesus von Nazareth zum Ansatz von "Weight Watchers" und gemeinsamen Diätrunden gesagt hätte. In der Bergpredigt (Matthäus 6,16-18) kam er immerhin auch einmal auf das Thema "Fasten" zu sprechen:

"Wenn ihr fastet, dann setzt keine wehleidige Miene auf wie die Heuchler. Sie vernachlässigen ihr Äußeres, damit die Leute ihnen ansehen, dass sie fasten. Ich versichere euch: Diese Ehrung ist dann schon ihr ganzer Lohn. Wenn du fastest, dann pflege dein Haar und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich belohnen."


Schlusswort: Mehr Schwung!

Wer sich viel bewegt, verbrennt viel Energie. Man nimmt dadurch ab. Geht natürlich nicht wirklich (ein bisschen schon), wenn man den ganzen Tag am Computer sitzt und Blogbeiträge wie diesen erstellen muss. Es geht auch nicht, wenn man mit dem Auto zur Arbeit und wieder zurück fährt. Oder zum Einkaufen. Oder ins Kino (wo man dann auch nur rumsitzt).

Und leider ist auch das so: Keine Diät ersetzt eine gesunde Ernährungsweise.

Vor allem eine exzellente Versorgung des Körpers mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen stärkt das Immunsystem. Ballaststoffe fördern die Verdauung, senken das (Darm-)Krebsrisiko und den Cholesterinspiegel. Karotinoide und Farbstoffe pflanzlichen Ursprungs wie Flavonoide (die auf beim Stoffwechselgeschehen freiwerdende sog. "Freie Radikale" repressorisch wirken und somit auch die Alterung des Körpers verlangsamen sollen) oder die in Kohlarten vorkommenden Indole greifen hemmend in den Prozess der Entstehung von Krebs ein.

Und jetzt zusammen: Keine Diät ersetzt eine gesunde Ernährungsweise und die fehlende Bewegung. Esst, was immer euch schmeckt, aber esst gesund - und bewegt euch dabei!


Donnerstag, 4. April 2013

Das Ende der Welt

"It's the end of the world as we know it - and I feel fine!" (R.E.M.)

Das Ende der Welt ist nah. Und diesen Blog-Beitrag schreibe ich genaugenommen nur, damit ich später sagen kann: "Ich hab's ja gleich gesagt!" Denn eigentlich wussten Sie es auch. Alle wissen es!

Die Rede ist vom Klima.

2013 dauerte der Winter mindestens bis Mitte April
(er dauerte beim Schreiben dieses Artikels noch an)

Eisplanet Erde 

Eiszeitalter traten im Lauf der Erdgeschichte mehrfach auf. Nach der "Schneeball Erde"-Hypothese war die Erde  mehrmals fast komplett von Eis bedeckt. Die Gletscher reichten dabei von den Polen bis in Äquatornähe, die Ozeane waren weitgehend zugefroren. Gerettet wurde der Planet wohl durch starke vulkanische Aktivität. Diese war allerdings auch gleich wieder für das eine oder andere Massenaussterben auf diesem Planeten verantwortlich.

Am spektakulärsten war wohl der so genannte "Perm-Schock" vor 250 Mio. Jahren. Ausgelöst durch großflächige und lang anhaltende Vulkanausbrüche, erwärmte sich das Erdklima um 5 Grad.  Das klingt gering, die Folgen aber waren absolut verheerend: Beim größten Massenaussterben der Erdgeschichte starben 95 Prozent aller Meeresbewohner und 65 Prozent aller Landtiere.

Neu war dies nicht. Vor 485 Millionen Jahren etwa starben rund 80 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten aus. Auslöser war vermutlich auch hier ein Klimawandel. Vor 444 Millionen Jahren starben 50 Prozent aller Arten aus, vor 360 Mio. Jahren dann noch einmal 50 Prozent. Und auch danach ging es munter weiter mit den Weltuntergängen:

  • Vor ca. 200 Millionen Jahren starben 50 bis 80 Prozent aller Arten aus, darunter fast alle Landwirbeltiere
  • Vor ca. 66 Millionen Jahren starben nach dem Einschlag eines 15 Kilometer großen Asteroiden im heutigen Mexiko rund 50 % aller Tierarten aus, darunter mit Ausnahme der Vögel auch die Dinosaurier
  • Die gegenwärtige Aussterbewelle läuft noch. Sie begann vor ca. 8000 Jahren und beschleunigt sich gerade - sie ist durch uns Menschen verursacht. 



Eisplanet Erde: Vor 2 Mrd. Jahren komplett vereist - und baumlos.


Es wird wärmer - oder kälter

Eigentlich hat Al Gore in seinem viel beachteten Film "Eine unbequeme Wahrheit" (2006) bereits alles gesagt: In den letzten 50 Jahren ist der CO2-Anteil unserer Atmosphäre auf gut das Doppelte gestiegen. Er wird bei fortschreitendem CO2-Ausstoß in 50 Jahren aber zehnmal so hoch sein, wodurch noch mehr Sonnenstrahlung in der Atmosphäre verbleibt, was das Erdklima weiter aufheizt. In der Arktis taut der Permafrostboden auf, das Eis der Antarktis schmilzt ab, der Meeresspiegel steigt weltweit um sechs Meter an.

"Ich lese immer 'Erwärmung'!", werden Sie einwenden. Wieso aber bleibt es so kalt?

Schon einmal, vor 9000 Jahren gelangte abgeschmolzenes Gletscherwasser auf dem nordamerikanischen Kontinent in den Nordatlantik, dünnte dort den Salzgehalt des Meeres aus - und setzte damit den Golfstrom außer Kraft. Es kam zu einer 1000jährigen Kälteperiode in der Atlantikregion. Etwas Ähnliches könnte, folgt man Al Gores Argumentation, schon in einem Jahrzehnt wieder passieren.

Schuld: Inder und Chinesen

Schuld am nächsten Weltuntergang werden zweifellos die Chinesen sein. Vielleicht auch die Inder. Oder beide. Oder die Russen und die Amerikaner mit ihren ständig laufenden Klimaanlagen und ihrer überdimensionierten Massentierhaltung - oder gar wir alle?
Nach zähen Verhandlungen endete die Weltklimakonferenz auf Bali 2007 mit dem so genannten "Fahrplan" ohne konkrete Zahlen für die Reduktion von Treibhausgasen. Die schnell wachsenden Länder China und Indien wollten aber keine Beschränkung des Schadstoffausstoßes für Schwellenländer. Die Mehrheit der über 1,3 Milliarden Chinesen fährt derzeit armutsbedingt noch Fahrrad oder spaziert unbequem zu Fuß durch die Gegend. Nur ein kleiner Prozentsatz fährt Auto. In der Stadt, in der ich wohne, fahren die meisten Über-18-Jährigen ein eigenes Auto, manche Familienhaushalte haben drei Autos vor ihrer Tür geparkt. Eines Tages wird auch China diesen Zustand erreicht haben. Und natürlich kann man doch den Indern und Chinesen nicht verbieten, woran man sich längst gewöhnt hat: Ein eigenes Auto zu fahren, vielleicht sogar zwei.

Wir werden es vielleicht noch mit ansehen müssen - von unserem Iglu aus.



Weblinks:

Uno-Studie: Welt verliert Kampf gegen Klimawandel (SPIEGEL Online): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/uno-klimastudie-welt-verfehlt-zwei-grad-ziel-a-894162.html


Welternährung: Klimawandel bedroht globale Nahrungsproduktion (SPIEGEL Online):
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/welternaehrung-klimawandel-bedroht-die-globale-nahrungsproduktion-a-894254.html


Montag, 1. April 2013

Papa auf der Akropolis - 1941

"Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als Einheit sehen." (Theodor Heuss, bei einer Schuleinweihungsfeier 1950 in Heilbronn)

Kürzlich wurde ich auf Facebook Teil einer Diskussion, die sich unter einem dieser Text-Bilder auf schwarzem Hintergrund abspielte, auf dem in neonfarbenen Worten stand:

TEILE DIES ... 
wenn Du es satt hast Europa zu retten 
und die Armut in Deutschland wächst.

Da wurde wohl so manchem von Armut real oder gefühlt bedrohten Deutschen aus der Seele gesprochen, das Bild wurde mittlerweile 86.614 mal geteilt.

Auch mich ekeln Bilder in Nachrichtensendungen an, auf denen Griechen, Italiener oder Zyprioten Plakate tragen, auf denen unsere Bundeskanzlerin ein Hitlerbärtchen und eine SS-Uniform trägt. Wie mich überhaupt Bilder mit Hakenkreuzen anwidern, egal, wo und in welchem Zusammenhang ich sie von wem auch immer präsentiert bekomme.

So schätzt der Deutsche heute Griechenland: Als preiswertes Urlaubsland mit Sonne.

Aber was mich bei den EU-Skeptikern aller Coleur derzeit immer wieder aufregt, ist ihre Fähigkeit, unliebsame Fakten so gänzlich zu verdrängen. Da wird eifrig das Klischee vom fleißigen Deutschen gepflegt, dem der faule und korrupte Südländer entgegengesetzt wird, der - politisch völlig unberechenbar, weil wankelmütig - natürlich nicht in der Lage ist, einen ordentlichen Spar-Haushalt auf die Beine zu stellen. Deutschland lag schließlich 1945 in Trümmern, und trotzdem haben wir es geschafft, daraus ein wirtschaftliches Zugpferd für ganz Europa zu machen. Da kann der Grieche nur staunen, wo er doch bis heute nur von Olivenöl und Tourismus lebt. Letzteres wohl dann nicht mehr lange, denn da kann man als anständiger Deutscher ja bald nicht mehr hinfahren. Wer kann das alles mal wieder bezahlen? Wir!

Wir?

Dann erinnern wir uns doch einmal an die etwas unbequemeren Details.
Ist zwar schon ein Weilchen her, aber am 6. April 1941 marschierten deutsche Soldaten gerade in Griechenland und Jugoslawien ein. Dies war "nötig" geworden, weil das mit Deutschland verbündete Italien unbedingt meinte, sein Land in den Grenzen von 44 v. Christus wiederherstellen zu müssen, was bereits direkt um die Ecke, auf der anderen Seite der Adria, glänzend misslang. Griechenland und Jugoslawien drängten die italienischen Truppen so weit zurück, dass Hitler sich entschloss, erst einmal auf dem Balkan durchzugreifen und den Befehl zum Angriff gab. Eigentlich hatte er um diese Zeit bereits in die Sowjetunion einmarschieren wollen, was dem Deutschen Reich nach Ansicht einiger Historiker dann auch die spätere Kriegsniederlage bescherte, da man so vor Wintereinbruch nicht mehr weit genug in Stalins Reich vordringen konnte.

Griechenland und Jugoslawien wurden niedergeworfen und besetzt. In Griechenland wurde eine harte und drakonische Besatzungspolitik verfolgt. Dies bewirkte wiederum eine starke Partisanenbewegung, der die deutschen Besatzer bis Kriegsende nicht Herr wurden.

Deutsche Soldaten vor der Akropolis, 1941. 3. v. r. in der 1. Reihe: Mein Vater.

Gegen die Partisanenbewegung griffen die Besatzungsmächte mehrfach brutal durch: Zur Vergeltung für Partisanenüberfälle wurde die gesamte Bevölkerung einiger Dörfer von der Wehrmacht oder "Sondereinheiten" ermordet, zehntausende Griechen wurden so liquidiert, 100.000 verhungerten.

Viele Griechen waren nach Kriegsende obdachlos, da etwa 100.000 Wohnungen oder Häuser total zerstört wurden. Ein Großteil der griechischen Wirtschaft und Infrastruktur des Landes wurde während der Besatzung zerstört, so etwa die "kriegswichtigen" Bergwerke im Raubbau ausgebeutet. Griechenland hat sich nie ganz davon erholt.
1945 bezifferte die griechische Seite den Schaden auf über zehn Milliarden Vorkriegsdollar. Juden wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet, ab 1943 ghettoisiert, enteignet und in Vernichtungslager deportiert. In Griechenland wurden fast 90 Prozent der dort lebenden Juden ermordet, nach Polen der prozentual höchste Anteil.

Nun führte ja unser Deutschland nicht nur in Griechenland Krieg. Und auch nicht zum ersten Mal.
Bereits zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs lieh sich der deutsche Staat 164 Milliarden Reichsmark bei seinen Untertanen, die nach der Währungsreform 1923 nur noch 16,4 Pfennige wert waren. Um die deutsche Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, pumpte das Ausland 800 Millionen Reichsmark als Kredit in die Weimarer Republik. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Auslandsschulden des Deutschen Reiches einfach nicht mehr bedient. Wozu auch? Nach dem Endsieg wäre man ja wirtschaftlich eh gänzlich unabhängig vom Rest der Welt gewesen. Man hätte ja bis zum Ural ausreichend Land zum Ausbeuten zur Verfügung gehabt. Die einheimische Bevölkerung? Entbehrlich, außer für niedere Arbeiten im Frondienst für die deutschen Herrenmenschen.

Der deutsche Staatshaushalt durfte schon ab 1935 nicht mehr veröffentlicht werden, um die wahre Haushaltslage zu verschleiern. Die Nazis lebten vom Plündern der von ihnen besetzten Staaten. Schon einen Tag nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurden die Goldreserven der Österreichischen Nationalbank der Deutschen Reichsbank einverleibt. Juden wurden einfach enteignet. Der Historiker Götz Aly fasst das so zusammen: "Das Vermögen der Juden wurde verwertet, also verkauft, und wanderte dann in den deutschen Kriegshaushalt. Die besetzten Länder mussten [...] ungeheure Kontributionen leisten, mindestens das Doppelte, am Ende oft das Dreifache des letzten Friedenshaushaltes."
Die gesamte Wehrmacht sollte nach dem Einmarsch in die Sowjetunion mit Lebensmitteln aus den besetzten Gebieten ernährt sowie zusätzlich Millionen Tonnen an Getreide pro Jahr aus den besetzten Gebieten ins Deutsche Reich geschafft werden. Dabei kalkulierten die Planer den Hungertod von Millionen Menschen mit ein.

Auf ihrem weniger ruhmreichen Rückzug legte die deutsche Vernichtungsmaschine dann halb Europa, fast ganz Osteuropa in Schutt und Asche. Warschau wurde nach einem Aufstandsversuch mehr oder weniger komplett dem Erdboden gleich gemacht - Haus um Haus wurde von deutschen Soldaten gesprengt - man kann froh sein, dass man dort als Deutscher heute überhaupt noch hinreisen darf!

Wer hat uns eigentlich nach dem Krieg die Rechnung auf den Tisch gelegt?  Deutschlands Schulden aus dem Zweiten Weltkrieg wurden uns in Gesamtheit nie in Rechnung gestellt. Eine endgültige Regelung der Frage wurde auf eine Reparationskonferenz vertagt, die nach einer deutschen Wiedervereinigung stattfinden sollte - was bis heute nicht geschah. Beim Londoner Schuldenabkommen 1953 wurden einvernehmlich mit 70 Gläubiger-Staaten die deutschen Auslandsschulden geregelt – verbunden mit einem erheblichen Schuldennachlass für die Bundesrepublik und sehr günstigen Rückzahlungsmodalitäten.

Wie lange wohl würden wir diese Schulden unserer Väter und Mütter noch abbezahlen? Wie oft würde man dann heute wohl in anderen Ländern posten:


TEILE DIES ... 
wenn Du es satt hast Deutschland zu retten 
und die Armut in Europa wächst.


Mein Vater - als 16-Jähriger.


PS: Mein Vater wäre heute 89 Jahre alt geworden. So lange ist der Krieg noch gar nicht her.

PPS: Die Staatsschulden Deutschlands stehen heute - auch ganz ohne Krieg - schon wieder bei 2,1 Billionen Euro.